Amtsinhaber Wolfgang Rzehak (4.v.r.) gemeinsam mit seinen 8 Herausforderern auf der Bühne.

Podiumsdiskussion der Landratskandidaten im Landkreis Miesbach

Gestern Abend fand die dritte Podiumsdiskussion der Bewerberinnen und Bewerber um das Amt des Landrats statt, veranstaltet vom Miesbacher Merkur. Im Waitzinger Keller stellte sich Amtsinhaber Wolfgang Rzehak seinen acht Herausforderinnen und Herausforderern.

„Es macht Freude, gestalten zu können“, erklärte Landrat Wolfgang Rzehak bei der gestrigen Podiumsdiskussion des Miesbacher Merkurs. „Es ist aber auch gut, wenn man Verwaltungserfahrung hat, die bringe ich mit. Gestalten kann man nur, wenn man auch verwalten kann.“

Und ein Landrat brauche auch zwei Amtszeiten, um alles Angeschobene dann auch wirklich umsetzen zu können, betonte der 52-Jährige, der im März wiedergewählt werden will, auch in Hinblick darauf dass vier seiner Herausforderer aus Altersgründen nur für eine Amtszeit antreten könnten.

„Die, die mich kennen, wissen, ich bin immer noch der Beppo“, so Rzehak auf die Frage von Moderator Stephen Hank, ob ihn das Amt verändert hätte. „Ich geh immer noch gern ins Eishockey, gern auf ein Rockkonzert und bin ein Familienmensch.“ Wolfgang Rzehak erinnert sich aber auch an eine Szene von seinem Wahlsieg in 2014, „als wir jubelnd dastanden und die Presse ein Foto machte, stand meine Frau leichenblass daneben und sagte leise, aber vernehmlich ‚Scheiße‘. Sie dachte, dass sich jetzt unser gesamtes Leben ändert. Aber ich glaube, so viel hat sich gar nicht verändert.“

„Garant für Krankenhaus in kommunaler Hand“

 „Als Landrat bin ich der Garant dafür, dass unser Krankenhaus in kommunaler Hand bleibt – mit Kinderstation, mit Geburtshilfe“, misst der amtierende Landrat dem Kreiskrankenhaus einen erheblichen Wert für den Landkreis zu. „Wir müssen auch bereit sein, das Defizit zu tragen.“ Gleichzeitig müsse sich auch auf Bundesebene etwas ändern, „Herr Spahn (CDU) kann nicht jede Woche eine andere Sau durchs Dorf treiben – so geht’s nicht weiter!“

Massiver Schuldenabbau unter Landrat Rzehak

Rzehak, der als Landrat für einen massiven Schuldenabbau steht, betont: „Das haben wir alle gemeinsam geschafft: Verwaltung, Landrat, Kreistag. Als Grüner bin ich im Kreistag auf die anderen Fraktionen angewiesen – und das haben wir mit allen Fraktionen zusammen auch geschafft!“ Der 52-Jährige weiß auch: „Wir müssen weiterhin Schulden abbauen, auch in Hinsicht auf die nächsten Generationen. Die sollen auch gestalten können.“

Auch wenn die Möglichkeiten des Landkreises im kommunalen Wohnungsbau beschränkt sind, wurden unter Landrat Rzehak Mitarbeiterwohnungen für Krankenhaus- und Landratsamtsmitarbeiter*innen visiert. „Das können und dürfen wir“, erklärt Rzehak. „Mit mehreren Landräten sind wir aber dabei, dass sich hier die Gesetze ändern. Dann könnte auch der Landkreis im kommunalen Wohnungsbau tätig werden.“

„Schön war auch, den Landkreis Miesbach wieder dahin gebracht zu haben, wo man sich nicht schämen muss, bei der Sparkasse oder im Landratsamt zu sein“, bilanziert der amtierende Landrat, in dessen Amtszeit die Aufarbeitung der Sparkassenaffäre um seinen Vorgänger (CSU) fiel. „Das haben wir geschafft.“

Thema Verkehr endlich angepackt

„Auch beim öffentlichen Nahverkehr haben jetzt seit 2014 einiges erreicht – auch wenn das nur kleine Bausteine sind: ‚Gib-mir-5-Ticket‘, ‚Wohin Du Willst-App‘, ‚Oberlandler Schülerticket‘ und die Ausgaben für den ÖPNV verfünffacht. Wir haben zudem kürzlich einen neuen Nahverkehrsplan aufgestellt, den ich in der nächsten Amtsperiode gerne umsetzen würde“, erklärt Wolfgang Rzehak.

Bis zu seinem Amtsantritt 2014 wurde das Thema ÖPNV unter einer CSU-Mehrheit sträflich vernachlässigt: „Früher wurde viel geredet, Pläne aufgestellt und rein gar nichts davon umgesetzt.“ Er stellte auch richtig, dass der MVV-Beitritt schon seit den 1990er-Jahren von der SPD und den Grünen gefordert wird.

„Was mich aber freut: kaum kommt ein grüner Landrat, tut sich hier auch was.“

Wolfgang Rzehak zum ÖPNV im Landkreis Miesbach

Gleichzeitig forderte Rzehak auch die Landkreisbürgerinnen und -bürger auf, auch mal aufs Auto zu verzichten – wo es geht. „Auch wir sollten umdenken.“

Wasserschutzzone: Transparenz fehlte an anderer Stelle

Das Verfahren um die Wasserschutzzone, die sich gestern gleich mehrere Herausforderer auf die Fahne schrieben, wurde von der Verwaltung ordnungsgemäß und rechtmäßig durchgeführt. Das wurde auch so vom Umweltministerium bestätigt. „Wir werden das auch weiterhin so durchführen, wie es sich gehört“, betont Wolfgang Rzehak.

„Und ja – es ist die Aufgabe eines Landrates, dieses Verfahren durchzuführen. Und ich bin es auch angegangen – ganz im Gegensatz zu meinen Vorgängern, die sich hier wegduckten.“ Bemerkenswert ist auch, dass die Antwort aus dem Freien Wähler-geführten Umweltministerium, das Verfahren weiterzuführen, eineinhalb Jahre auf sich warten ließ. Mit einer ebenfalls von Gisela Hölschers Parteikollegen neuzugewiesenen Stabsstelle werde nun das Verfahren neu aufgerollt.

Richtig ist dabei auch, dass in den vergangenen Jahren im Landkreis einige Wasserschutzzonen durch die Gemeinden ausgewiesen wurden. Zwei davon 2014 und 2017 in Holzkirchen unter Bürgermeister Olaf von Löwis. „Davon war kein Wort in der Presse zu lesen war, nichts im Gemeinderat besprochen wurde, es gab keine öffentliche Diskussion und auch keinen Erörterungstermin – so viel zur Transparenz!“

Lob für die Jugend

„Ich bin Grüner seit ich 18 bin, kaufe schon immer gerne Bio und wenn’s geht regional“, erklärt Wolfgang Rzehak zur aktuellen Klimaschutzbewegung. „Was mich aber freut: Die grünen und wichtigen Themen sind in der Gesellschaft angekommen. Früher wurden wir dafür oft belächelt oder als Spinner abgetan.“

Begeistert zeigte sich unser grüner Landrat vom Politikinteresse der Jugend: „Ich bin froh darum, dass sich etwas ändert!“

 „Auch auf die Leute schauen, die hier leben“

Dem Tourismus wies Wolfgang Rzehak ebenso wie seine Herausforderer einen hohen Stellenwert zu. „Ohne den Tourismus würde es unsere vielen Gaststätten nicht geben, jede zweite könnte wahrscheinlich nicht überleben“, sieht Rzehak. „Es darf aber auch nicht sein, dass der Tourismus alles überdeckt. Die Einheimischen wollen hier auch leben“, betonte der Bewerber um die Wiederwahl gleichzeitig. Man müsse auch mit der Modellregion auf sanfteren Tourismus setzen.

Das gehe zum einen mit der Verkehrswende. Wolfgang Rzehak antwortet auf eine Leserfrage zum Bergtourismus auch: „Ich glaube wir brauchen keine neuen Skigebiete mehr, man könnte eher Überlegungen anstellen, wie man oben in den Bergen mehr im Naturschutz machen könnte. Hier ist der Landkreis Miesbach, auch zusammen mit der bayerischen Staatsregierung, schon vorbildlich.“

„Zukunft gestalten und dabei unsere Heimat erhalten“

„Wir haben einen wunderschönen Landkreis mit seinen Tälern, Bergern, Seen und Haglandschaften. Auch unsere Kulturlandschaft, die durch die Bauern geprägt ist, wollen wir erhalten für unsere Kinder und Enkelkinder“, stellte Rzehak seine Verbundenheit und Verpflichtung dem Landkreis gegenüber klar. „Mir als Landrat ist es wichtig, dass wir unsere Heimat erhalten. Das Brauchtum und eben auch unsere schöne Landschaft.“

Gleichzeitig müssten aber auch Zukunftsinvestitionen getätigt werden, beispielsweise in den Verkehr, die Energiewende und unser Krankenhaus.

„Ich glaube, als Landrat habe ich bewiesen, der richtige Mann an der richtigen Stelle zu sein. Und sechs Jahre grüner Landrat haben dem Landkreis auch gut getan“, beschloss Wolfgang Rzehak in seinem Schlussstatement die Podiumsdiskussion. „Ich bitte um Ihre Stimme, dass ich auch in den nächsten sechs Jahren den Landkreis mit Ihnen gemeinsam weiterentwickeln kann.“

Die Podiumsdiskussion wurde live übertragen und steht hier auch noch zum Abruf bereit. Dort können Sie auch abstimmen, welche Kandidatin oder welcher Kandidat Sie am meisten überzeugt hat.

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