Podiusmdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in Bad Wiessee mit Johannes von Miller (2.v.r.), moderiert von Stephen Hank (2.v.l.)

Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in Bad Wiessee

„Mir liegt Bad Wiessee sehr am Herzen“, erklärt Johannes von Miller bei der Podiumsdiskussion der Tegernseer Zeitung seinen Schritt in die kommunalpolitisch erste Reihe durch seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Zuvor habe er sich der Kinder wegen bewusst im Hintergrund gehalten. „Ich will dass sich alle – alt und jung, alteingesessen und zugezogen, traditionell und modern – in unserem Bad Wiessee wohl fühlen und wir diesen Ort wieder lebenswert machen“, dafür brauche es einen guten Bürgermeister. „Ich kann meine Erfahrung und als parteipolitisch unbeleckt die Sichtweisen von außen einbringen.“

Beim Bauen immer die Erhaltung der Natur im Blick behalten

„Ich denke, wir müssen unbedingt daran arbeiten, dass den Leuten hier der Ort nicht entzogen wird“, erklärt von Miller in Hinsicht auf Zweitwohnungen. „Den Bauraum, den wir noch zur Verfügung haben, müssen wir richtig und überlegt beplanen.“ Wie bei vielen anderen Themen auch, spricht er sich bei der Vergabe von Baugrund und Wohnungen an Einheimische für eine talweite Übereinkunft und Zusammenarbeit aus.

Dabei merkte unser Bürgermeisterkandidat auch an, dass Bad Wiessee zunehmend an die Grenzen der Belastbarkeit komme. „Wir müssen unbedingt vermeiden, dass die Bautätigkeit ausufert und hier alles zugebaut wird. Mit unseren Ressourcen, unserer einzigartigen Natur müssen wir gerade jetzt sehr überlegt und pfleglich umgehen.“

„Froh sind wir auch alle über das Projekt zum Betreuten Wohnen im Edelweiß“, so von Miller. „Die Kommune sollte bei der Verwirklichung unterstützend tätig sein.“ Ebenso stelle sich die Frage, ob die Gemeinde bei Einrichtungen für Senioren selbst tätig werden müssen – Investoren sind schließlich immer schwierig zu finden.

Auch der Bedarf für den Kindergarten sieht der zweifache Vater in jedem Fall gegeben, „wichtig ist aber auch, dass die Qualität von Betreuung und Räumlichkeiten stimmt.“ Deshalb sei es unzweifelhaft, am Kindergarten etwas zu machen. „Wir müssen ganz schnell planen – und zwar für das ganze Areal um Kindergarten und Schule. Der Ort ist gegeben. Wir sollten alles in ein großes Konzept bringen.“ Einschließen würde dieses Projekt auch Wohnungen für Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen.

„Die Ortsmitte muss belebt werden“

Um zu demonstrieren, wie wichtig ihm die Ortsmitte in Bad Wiessee ist, hat Johannes von Miller erst kürzlich ein Bürgerbüro in leerstehenden Geschäftsräumen am Lindenplatz eröffnet.

„Zur Belebung unseres Zentrums brauchen wir natürlich einen Nahversorger im Zentrum, der für eine höhere Frequentierung sorgen würde – aber wir können keinen herzwingen.“

Kurzfristig könne aber auch die Gemeinde zur Belebung der Ortsmitte beitragen und ein paar der Veranstaltungen, die alle am See stattfinden, ins Zentrum verlegen. „Natürlich ist das am See ein wunderschöner Platz.“ Aber man müsse sich das „Leben“ in die Ortsmitte holen. „Das ist schon ein Schritt dafür.“

„Auch an der SME-Baustelle klemmt’s ganz schön“, konstatierte unser Bürgermeisterkandidat. „Aber  es wurde auch schon von Anfang an schlecht gemacht. Wir müssen bedenken, dass es sich hier finanziell um ein Riesenvolumen handelt und auch der Untergrund sehr schwierig ist. Wir wollen das Hotel als Gesundheitsstandort Bad Wiessee.“ Als Bürgermeister würde er versuchen, alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen: „Ja, ich würde sie her zitieren. Schließlich haben sie mit dem Projekt auch Verantwortung übernommen.“

Zuversichtlich ist er beim Strüngmann-Projekt: „Ich habe mit den Architekten gesprochen und bin sehr optimistisch“.

Anpacken will von Miller die Seepromenade und zwar unabhängig von der Fertigstellung des Strüngmann-Projekts. „Die ganze Seepromenade in einem Stück zu machen, können wir uns gar nicht leisten. Das werden wir partiell in kleinen Stücken gestalten.“ Ähnliche Vorgehensweise schlägt Johannes von Miller für den Bau von Radwegen vor.

Rathaus als Bürgerhaus

„Was mir bei der Grundsatzentscheidung zum Neubau des Badeparks missfällt, ist die schnelle Abhandlung am Ende der Amtszeit und die Art und Weise, wie es unter die Bevölkerung gebracht wurde.“ Johannes von Miller hätte es für nötig gehalten, die Bürger*innen über Zwischenberichte und Bürgerversammlungen zu informieren – und zwar schon sehr frühzeitig.

Dabei zweifelt er die Entscheidung an sich nicht an: „So wie ich die Hintergründe kenne, war es richtig. Aber die fehlende Bürgerkommunikation ist ein großes Problem in Bad Wiessee.“

„Der Gemeinderat hat Gutes geleistet, sich aber schlecht verkauft.“ Bürgermeisterkandidat von Miller will die Bürgerinnen und Bürger besser beteiligen und auch zur Beteiligung motivieren. „So können wir hier in Bad Wiessee Wunderbares erreichen.“ Dazu sollte ein Bürgermeister auch „aus dem Rathaus rauskommen“. Zu wichtigen Themen müsse es eine Bürgerversammlung geben. Als Bürgermeister will Johannes von Miller das so umsetzen.

Ideengeber für die Spielarena

„Noch unter Fischhabers Amtszeit wurden Konzepte für Bad Wiessee erstellt und da durfte ich mich auch einbringen“, erklärt Johannes von Miller auf Nachfrage von Moderator Stephen Hank den Punkt auf seinem Flyer. „Für die alten Tennishallen kam mir dabei die Idee, in der Halle einen wetterunabhängigen Innenspielplatz zu ermöglichen.“

Die Spielarena hat für ihn einen sehr hohen Stellenwert für den Ort. „Sie ist ein Erfolgsmodell, das wir unbedingt in Bad Wiessee und in unseren Händen halten sollten. Leider ist sie parteipolitisch instrumentalisiert worden.“

Wichtiges Thema: Parken und Verkehr

„Parken ist ein vielschichtiges Thema bei uns“, erklärt von Miller zum nächsten Themenschwerpunkt des Abends. „Wir müssen wissen, wen wir erreichen. In der Ortsmitte wollen wir die Leute haben, die auch einkaufen. Dafür muss die Parkgebühr auch für die Dauer eines angemessenen Einkaufs günstig sein.“ Alles darüber hinaus sollte höher bepreist werden. „Parkgebühren für unsere Wanderparkplätze hingegen müssten talweit geregelt werden.“

Auch das Parkhaus am Ortseingang müsse im Blick gehalten werden. „Das ist riesig und selten voll.“ Von Miller schwebt hier ein Shuttle-Service vor, insofern dieser finanziell tragbar ist.

Beim Verkehr allgemein ist für Johannes von Miller wichtig, das Thema schon im Zusammenschluss mit den anderen vier Talgemeinden anzugehen. „Jetzt im Wahlkampf immer nur von großen Konzepten zu sprechen und sich um die Verantwortung zu drücken, hilft uns in Bad Wiessee jetzt auch nicht weiter.“

Talgedanke für Johannes von Miller und die Grünen wichtig

Wie beim Verkehr gilt für viele weitere Themen: „Wir Grüne stehen für talweite Zusammenarbeit. Deshalb haben wir auch einen Ortsverband und zu allen wichtigen Themen talweite Arbeitskreise etabliert“, erklärt von Miller zum Grünen OV Tegernseer Tal. Abgesehen von seiner Partei, müsse auch die Zusammenarbeit der Gemeinden intensiviert werden. „Das ist schon ein richtiger Knackpunkt, die fünf Egos um den See zusammen zu bekommen“, fügt er schmunzelnd an. Johannes von Miller ist aber froh darüber, dass es schon gemeinsame Gemeinderatssitzungen im Tal gibt – die müssten auch unbedingt weitergeführt werden. „Aber die anderen Gemeinden müssen auch in die wichtigen Entscheidungen eingebunden werden und sie nicht wie beim Badepark erst in der Zeitung lesen.“

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