Das erste halbe Jahr

Anita Gritschneder und Moritz Remuta sind nun seit einem halben Jahr im Gemeinderat. In einem Interview mit der Vorsitzenden des Ortsverbandes, Dorothea Deutsch, erzählen sie ihre Eindrücke.

Dorothea Deutsch: Hallo Anita, hallo Moritz. Es ist nun ein halbes Jahr her, dass ihr beide als neue Marktgemeinderatsmitglieder vereidigt wurdet. Was hat sich in eurem Alltag seitdem verändert?

Anita Gritschneder: Die größte Veränderung sieht man in meinem Terminkalender. Zu den Gemeinderats- und Ausschusssitzungen kommen noch Fraktionssitzungen, „Vor-Ort-Termine“ und repräsentative Aufgaben. Anders als früher ist allerdings auch, dass ich auf der Straße von unbekannten Leuten gegrüßt werde. Anfangs hat mich das etwas irritiert, mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und freu mich darüber. Manchmal passiert es auch, dass – mir mehr oder weniger bekannte – Bürger*innen Wünsche an mich herantragen.

Moritz Remuta: Ja, der Terminkalender hat sich gefüllt. Auch meine E-Mail-Inbox, für deren regelmäßiges Checken ich noch nie bekannt war, füllt sich schneller als früher. Alles in allem ist einiges an Freizeit, z.B. sportlicher Betätigung, weggefallen, um für die Gemeinderatsarbeit Platz zu machen.

DD: In welchen Ausschüssen seid ihr beide jeweils tätig?

MR: Ich sitze im Bauauschuss und im Mittelschulverband und bin Teil des Aufsichtsrats der Kultur&Bürgerhaus GmbH & Co KG bzw. des Beirats der Kultur im Oberbräu GmbH & Co KG.

AG: Ich bin im Hauptausschuss, im Beteiligungsausschuss, im Orts- und Verkehrsplanungsausschuss und im Kuratorium der Gemeindebücherei.

DD: Was findet ihr an eurer neuen Tätigkeit am Interessantesten?

AG: Am interessantesten finde ich tatsächlich, dass ich so vielseitige und vielschichtige Einblicke in alle möglichen Themen bekomme. So ist zum Beispiel die Friedhofssatzung genauso Thema in einem Gemeinderat wie der Neubau einer Schule oder die Änderung von Parkgebühren genauso wie die Umwidmung von Straßen.

MR: Das kann ich so nur unterstützen. Die Gemeinderatstätigkeit ist so vielschichtig, dass man sich vor jeder Sitzung mit neuen Themen vertraut machen muss, sich in neue Regelungen, Empfehlungen und Verwaltungskommentare einlesen kann. Da ist immer etwas Interessantes dabei.

DD: Man hat ja im Vorfeld schon gewisse Erwartungen an die Tätigkeit im Gemeinderat. Was ist denn nun so gekommen, wie ihr es erwartet habt und was stellt sich völlig anders dar?

MR: Nichts ist so gekommen, wie ich es erwartet hatte, was ich mir vorgestellt hatte, weil ich keine wirklichen Erwartungen oder Vorstellungen hatte. Mir wurde gesagt, es würde viel Arbeit werden, zu Recht. Überrascht bin ich darüber, wie viel Zeit und Energie man in die „Transparenz“ seiner politischen Arbeit legen muss, also in die Information der BürgerInnen.

AG: Ich hab ja erwartet, dass man gut mit seiner eigenen Fraktion und im besten Falle auch mit den anderen zusammenarbeiten soll, aber wie wichtig und wertvoll die Vorarbeit der Verwaltung ist, war mir vorher nicht so klar. Ich bin immer wieder erstaunt und erfreut darüber, was für kompetente Leute wir da im Holzkirchner Rathaus sitzen haben. Das erleichtert unsere Arbeit ungemein.

DD: Moritz, du bist das jüngste Mitglied im Holzkirchner Gemeinderat. Wie erlebst du das für dich persönlich?

MR: Ich hatte ein wenig befürchtet, von Kollegen nicht ernst genommen zu werden. Wenn dem so ist, spüre ich das immerhin nicht im Umgang mit mir. Die Verantwortung, die ich jetzt aber gegenüber Fraktion, Verwaltung, Bevölkerung trage, die spüre ich schon. Als Student, der sich erst langsam in der Gesellschaft emanzipiert, und gleichzeitig lernen muss, erstmal Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, war das sehr ungewohnt und ist auch nach einem halben Jahr nicht immer leicht.

DD: Euer Amtsantritt fiel mitten in die erste Welle der Corona-Pandemie. Hatte oder hat das große Auswirkungen auf eure Arbeit?

AG: Ja, das hat unsere Arbeit auf alle Fälle stark verändert. Die ersten Gemeinderatssitzungen fanden im Oberbräusaal statt. Aus akustischen Gründen konnte man dort nicht von seinem Platz aus sprechen, sondern musste aufstehen und zu einem zentralen Mikrofon gehen. Eine unangenehme Hürde, gerade für Neulinge. Aber auch die Arbeit innerhalb der Fraktion wurde durch die Verlagerung in den virtuellen Raum erschwert. Natürlich ist es praktisch und zeitsparend, wenn man für eine Fraktionssitzung nur den PC einschalten muss, aber die sozialen Aspekte, die eine Gruppe zusammenschweißen, bleiben dabei leider auf der Strecke. Wir konnten lange nicht auf unseren Wahlerfolg anstoßen.

DD: Die Grünen sind ja seit dieser Wahlperiode zweitstärkste Fraktion und haben als einzige Fraktion Mandate hinzugewonnen, dennoch war der Beginn dieser Wahlperiode aus Sicht der Grünen WählerInnen enttäuschend: Robert Wiechmann, der als Grüner Bürgermeisterkandidat mit 44% in der Stichwahl ein hervorragendes Ergebnis erzielte, wurde durch eine Vereinbarung des Bürgermeisters, der CSU und den Freien Wählern, das verdiente Amt als 2. Bürgermeister versperrt. Wie geht es euch jetzt damit?

MR: Befürchtungen möglicher Koalitionsbildungen haben sich in meinen Augen nicht verwirklicht, da ist jeder zu beschäftigt damit, seine persönlichen Themen einzubringen. Die einzige Auswirkung, die eventuell spürbar ist, ist eine Veränderung des Tones in der Zusammenarbeit gegenüber früheren Gemeinderäten – so wurde mir zumindest berichtet.

AG: Das war damals sicherlich ein kleiner Schock, aber so etwas spornt mich eher an. Wir haben uns riesig über unseren Wahlerfolg gefreut und sind so motiviert und zuversichtlich in die Wahlperiode gestartet. Wichtig für eine konstruktive Arbeit für das Gemeinwohl ist, dass wir als Fraktion vertrauensvoll zusammenarbeiten – und das tun wir.

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